The Experiment – Die Zeit kennt keine Gnade

unbezahlte Werbung / Rezensionsexemplar

Autorin: @bycatherineegan
Übersetzer: Leo H. Strohm
Verlag: @fischer.sauerlaender_kids

Spoilerwarnung – lies diese Inhaltsangabe auf keinen Fall, wenn du „The Factory“ von Catherine Egan noch nicht gelesen hast. „The Experiment“ ist die direkte Fortsetzung des Buches.

Inhalt:
Das erste Buch endete damit, dass Asher Doyle sich für seine Freundin Vi opferte und sich und Nicola Mach, die böse Wissenschaftlerin in einer Zeitbombenexplosion „einfrieren“ ließ.

20 Jahre später ist die Zeitblase, in der Asher und die Professorin gefangen waren, geplatzt. Für alle außerhalb der Zeitblase ging es weiter, aber Asher ist noch immer 13. Die Factory selbst ist zwar Geschichte, aber nicht wirklich weg. Dort, wo früher die Zeitexperimente an Kids vorgenommen wurden, befindet sich nun ein riesiger Vergnügungspark, dessen Leiterin die mittlerweile erwachsene Vi ist.

Asher soll sich langsam an die neue Zeit gewöhnen, weil sein Körper noch nicht mit der Zeitverschiebung zurecht kommt. Natürlich sind seine Mutter und seine Nan (Oma) auch 20 Jahre älter geworden und die Videocalls sind merkwürdig.

Beängstigend ist, das Vi und ihr Doppelgänger-Roboter ViTwo noch IMMER Experimente an den Kindern durchführen. Die sind zwar längst nicht mehr so schlimm, wie zu Ashers Zeit, aber immer noch Schlimm genug.

Asher will herausfinden, was Vi vor ihm verbirgt, wieso er 20 Jahre „eingefroren“ war und wie er endlich wieder nach Hause kann.

Das erste Buch endete ja schon mit einem fiesen Cliffhanger und hier geht’s direkt ungemütlich weiter. Catherine Egan hat keine leichtverdauliche Geschichte geschrieben. Es ist sogar so, dass der Teil, der nicht direkt Science Fiction ist (die Extraktion von möglichen Zukunftsszenarios) viel zu nah an unserer Realität dran ist. Wir haben es mit lässig aussehenden Tech-Milliardären zu tun, die aber ruchlos sind, wenn es um ihre eigenen Ziele geht. Im Buch gibt es verschiedene KI-Systeme, die mal mehr, mal weniger hilfreich sind. Die aber allesamt im Hintergrund ihre ganz persönliche Wahrheit für sich auslegen und so Entscheidungen treffen, die sich direkt auf Asher auswirken.

Nicht zuletzt sind Twitch-Streams, social Media und Flucht in VR-Welten ganz nebenbei in die Handlung eingewoben. Selbst Deepfakes (also gefälschte Videos von Personen) sind relevant.

Meinung:
Wir leben in genau dieser Welt. Twitch, KI, Robotik, Tech-Milliardäre und Deepfakes sind unsere aktuelle Realität. Das fand ich die ganze Zeit sehr bedrückend beim Lesen. Die Rücksichtslosigkeit, mit der Tech-Unternehmen Ressourcen verschwenden, ist im Buch durch die Experimente mit den Kindern, heftiger, als in echt. Aber mal ehrlich: Die Motive der Silicon-Valley-Bubble sind nicht weniger schlimm. Gefälschte Videos, Wasserverbrauch und humanoide Roboter, die plötzlich komische Dinge tun, das alles haben wir.

Deshalb fand ich das Buch wirklich wahnsinnig großartig. Ich konnte sogar die Motive von Vi, die hier eher als Ashers Feindin zu betrachten ist, irgendwo nachvollziehen. Aber wie es so ist, wenn man was „Gutes“ tun will und dabei seine moralischen Standpunkte aufweicht: Das funktioniert nicht und man verletzt sich selbst und zerstört die Freundschaft.

Fazit:
„The Experiment“ ist eine sehr gelungene Fortsetzung, die aktueller nicht sein könnte. Wir müssen ganz genau aufpassen, wem wir vertrauen, wem wir unsere Zukunft anvertrauen und wie wir mit unseren Kindern und sonstigen Ressourcen umgehen sollten. Wer ca. 12 Jahre alt ist, sollte sich diese Buchreihe (sind auch nur zwei Teile!) unbedingt mal angucken.

Buchreihe:
The Factory – Es gibt kein Entkommen
The Experiment – Die Zeit kennt keine Gnade

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